Noch brodelt die Gerüchteküche, doch Neuanschlüsse sind bereits betroffen und immer mehr Kunden sprechen uns darauf an.

Gemeint ist die sukzessive Abschaltung der analogen und ISDN-Anschlüsse bis Ende 2018. Als Alternative wird NGN (Next Generation Network) oder ein reiner IP-Anschluss eingesetzt. Dabei ist es doch erst dreißig Jahre her, dass ISDN die guten analogen Anschlüsse ersetzte...

Der Hintergrund ist eigentlich klar: Im Zuge der Weiterentwicklung und des immer weiter führenden Internet-Ausbaus ist ISDN teuer, benötigt eigene Technik, einen eigenen Techniker-Stab und produziert Kosten. Dazu ist es mittlerweile viel zu unflexibel geworden - jaja, die Kundenwünsche und -vorstellungen sind mannigfaltig - schließlich sollen Internet, Sprach- und Videoübertragungen (auch Fernsehen) über einen einzigen Dienst bereit gestellt werden: NGN oder auch "All-IP" genannt.

Betroffen sind (je nach dem, wer gerade gezählt hat!) 16...20 Millionen Anschlüsse.

Das, was wir in lokalen Netzen predigen (Homogenisierung der Betriebssysteme und Anwendungen zur Vereinfachung, Stabilisierung und Absicherung der Umgebung), kommt nun also auch auf die Hauptanschlüsse der Kommunikation zu. Wo bisher ab Splitter zwischen IP und ISDN getrennt wurde (und was wir teilweise hinten rum wieder durch z.B. LAN-CAPI und LAN-TAPI zusammen führten) benötigt in naher Zukunft nur noch eine Technik.

Problematisch wird es dort werden, wo spezielle und teure Techniken aufwändig verschaltet wurden - etwa in den Bereichen der Alarmanlagen, Steuerungs- und Auslesesysteme, gesicherte Datenübertragungen, Frankiermaschinen und EC-Cash-Geräten. Auch bieten die meisten Faxgeräte nur einen analogen Anschluss.

Faxgeräte passen hier tatsächlich gut ins Thema: Um ein Faxgerät mit analogem Anschluss an ISDN betreiben zu können, haben wir meist Telefonanlagen aufgebaut und eingerichtet oder kleine a/b-Wandler eingesetzt. Schon hier arbeiten wir seit Jahren mit tatsächlichen Krücken, um eine alte Technik (analog) an eine zeitgemäße (ISDN) anzuschließen. Tja - und dann soll das Faxgerät über das Netzwerk von den Arbeitsplätzen aus genutzt werden können... Auch diese Kapriolen schlagen wir seit Jahren und sind mit den Tücken bestens bekannt!

Was will man sagen? Es ist halt alle paar Jahre so, dass eine neue Technik Einzug hält und alte Technik zunächst durch Einsatz von Hilfsmitteln weiter genutzt wird, bis sie dann doch der modernen Technik weicht. Einen solchen Punkt haben wir mit NGN also wieder vor uns. Alter Kram raus, neuer Kram rein - oder halt Zwischenlösungen finden.

Fakt ist, dass an einem NGN- oder IP-Anschluss nichts mehr geht, wenn das Internet ausfällt. An den heutigen Anschlüssen funktioniert meist noch das Telefon - doch das ist dann vorbei. Es gilt also abzuwägen, ob ein stets gut aufgeladenes Notruf-Handy bereit liegen sollte!

Vor der Umstellung sind mindestens folgende Punkte beachtenswert:

  • Ausreichende Planung (welche Geräte müssen ersetzt werden bzw. welche Alternativen müssen gefunden werden)
  • Rufnummernübernahme bei Technikwechsel
  • Bandbreite I: Pro Gespräch rechnet man mit 100kBit/s
  • Bandbreite II: Router (und auch einige Switches!) müssen QoS unterstützen
  • Bandbreite III: vertragliche Zusagen über gestellte Bandbreiten, Maßnahmenkatalog bei Schwankungen
  • Tag und Uhrzeit der Umstellung

QoS ist die Abkürzung für "Quality of Service" - gemeint ist hier, dass Router und Switches Technologien mit bringen, die Diensten eine bestimmte Bandbreite reservieren und Vorreiterrollen einräumen. Wer nicht gut telefonieren kann, weil ein Kollege genüsslich dem Internet-Radio lauscht, wird sich schnell QoS wünschen... QoS muss aber nicht nur technisch verfügbar sein, sondern es muss auch eingerichtet und kontrolliert werden - sonst funktioniert es nicht!

Bezüglich der Rufnummernmitnahme bzw. des Rechts auf die eigene Rufnummer, dürfen wir hier auf die Informationen der Bundesnetzagentur verweisen:

Bundesnetzagentur

Achtung: Falle!

  • Das Recht auf die eigene Rufnummer besteht NUR, wenn Sie den Vertragspartner wechseln.
  • Ändern Sie bei Ihrem derzeitigen Anbieter nur den Tarif, verlieren Sie das Recht auf Ihre Rufnummer!

Aus Gründen der Sicherheit raten wir von "Telefonanlagen in der Cloud" dringend ab. Wie auch bei Cloud-basierten Fileservices werden die Cloud-Sprachdienste mit Sicherheit verstärkt angeboten werden. Wenn Sie Cloud-Dienste für sinnvoll erachten, können diese in Ihrem Unternehmen eingerichtet werden (sog. Private-Cloud) oder aber in einem Rechenzentrum in Ihrer Nähe. Nichts sollte beruhigender wirken, als Ihre Daten fest in der eigenen Hand zu wissen oder (bei den Rechenzentrumsdiensten in Ihrer Nähe) mindestens zu wissen (und Einfluss zu haben!), wer wie mit Ihren Daten umgeht und welches Recht gilt.

Natürlich bestehen neben den ganzen Nachteilen und Fallen auch Vorteile und Möglichkeiten - viele davon befinden sich auch erst noch in den Köpfen findiger Entwickler und werden uns bald überraschen. Das "Internet der Dinge" ist ebenso Thema, wie "Industrie 4.0" - und dabei geht es nicht nur um die reine Übermittlung von Maschinen-Taktraten!

Derzeit ist es allerdings schon möglich, Ihren Telefonanschluss im Büro in Ihr Smartphone zu packen, wodurch Sie überall mit der Festnetz-Büronummer telefonieren können und erreichbar sind. Auch laufen diese Dienste über WLAN, was in großen Lager- und Produktionshallen von Vorteil ist, wo gerne Probleme mit der GSM/UMTS-Abdeckung bestehen oder erst teuer nachgerüstet werden müssen.

Bis dahin wird der Netzausbau weiter voran getrieben: Straßen werden aufgerissen, Leerrohre verlegt und Glasfaserleitungen gezogen. Wie immer (wie auch bei den Versprechungen bei der Einführung von LTE) werden Ballungs- und Neubaugebiete bevorzugt behandelt, sodass ländliche Gebiete noch warten müssen, bis "Licht auf die Leitung kommt": Immerhin sitzt dort das Pozenzial der Zahler...

Und: Wie immer gibt es nicht DIE Lösung für alle Anwender. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, seinen eigenen Bedarf. Ob komplett neu investiert wird oder ob Hybrid-Gateways eingesetzt werden sollen hängt z.B. auch mit davon ab, ob die bestehende Umgebung bereits durch die Abschreibung gelaufen ist.