Eine "Unart" hat einen Namen erhalten, wird in einschlägigen Fachkreisen diskutiert und mutiert so zu einem Trend:

"BYOD - Bring Your Own Device" - wobei privat angeschaffte und genutzte Endgeräte der Mitarbeiter in die betriebliche IT integriert werden.

Begonnen hat alles, als der Chef im Urlaub den Wunsch äußerte, von seinem privaten Notebook aus auf seine Firmen-E-Mails zugreifen zu können. Bald folgten die Außendienst-Mitarbeiter, die sich sträubten, mit zwei Handys zum Kunden zu fahren. Hin und wieder wurde ein privater USB-Stick zum schnellen Backup ausgeliehen.

Die Technik schreitet weiter fort, immer mehr Wünsche und Anregungen der Nutzer werden in Betriebssysteme und Anwendungsprogramme implementiert, immer stärker finden integrative Technologien Einzug in Unternehmen und Anwendung auf mobilen Endgeräten. Die dazu notwendige Hardware wird immer leistungsfähiger und (trotzdem) günstiger.

1983 kam der IBM XT-Personalcomputer auf den Markt. Sein Intel 8088-Prozessor war mit 4,7MHz getaktet. "Gigantische" 10MB fasste die Festplatte, die optional neben dem Floppy-Laufwerk erhältlich war, maximal 256KB Arbeitsspeicher konnten zu horrenden Preisen eingebaut werden . Mit Monitor kostete das System damals gut 8.000 US$. Alleine ein RAW-Bild aus einer aktuellen D-SLR bringt es dagegen leicht auf 35MB - doch "damals" war an solche Datenmengen nicht zu denken...

Zurück zu BYOD:

Ein motivierter Mitarbeiter trägt sich mit dem Gedanken, sein eigenes, modernes und leistungsfähiges Notebook betrieblich nutzen zu wollen. Der Gedanke an sich ist löblich, immerhin bietet dieser Mitarbeiter an, mehr Arbeit leisten zu wollen.Doch die Probleme beginnen erst:

  • Warum will der Mitarbeiter sein privates Notebook geschäftlich nutzen?
  • Welche Daten wird er darauf speichern?
  • Welches Anti-Virus-System wird darauf installiert werden - und wer trägt anteilig welche Kosten?
  • Wer erstellt welche Backups? Wo? Wann? Auf welchem Datenträger?
  • Wieweit darf ein Unternehmen in die Konfiguration eines eigentlich privaten Notebooks eingreifen? Kann man das automatisieren?
  • Wie wird dem Mitarbeiter der Einsatz seines persönlichen Eigentums entlohnt?
  • Wie werden dem Mitarbeiter die Stunden angerechnet, die er eigentlich in seiner Freizeit dem Unternehmen zur Verfügung stellt?
  • Wie stellt sich der Vergleich mit anderen Mitarbeitern dar, die ähnliches bieten (oder eben nicht)?
  • Welcher Anspruch entsteht dem Unternehmen gegenüber dem privaten Eigentum des Mitarbeiters?
  • Wieviel Einsatz kann gefordert werden und wer überprüft das?
  • Wer kommt zu welchem Teil für Schäden auf, die während der Tätigkeit für das Unternehmen auftreten?

Gerade Geschäftsführung und Management wird gerne "BYOD" eingeräumt - doch gerade diese haben Zugriff auf die vertraulichsten Daten des Unternehmens.

Die reine Unternehmersicht ist bei diesem Thema vielleicht ein wenig kurz gefasst - immerhin hat auch der Mitarbeiter Sorgen: Wie steht es um die Privatsphäre? Wird protokolliert? Wo erhält die Firma Einblick? Was, wenn der Mitarbeiter sein Angebot zurückziehen will?

Unsere Meinung dazu?  Lieber Privates privat und Betriebliches betrieblich sein lassen - BYOD birgt zu viele Streitpunkte.

Das ist auch unser Rat an jeden Unternehmer - trotz der besonders starken Bindung zur eigenen Firma: Trennen!

Wer will sich schon ernsthaft einen Grillabend mit Freunden durch Firmen-E-Mails versauern lassen?